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Warum die Windenergie das Zugpferd der Energiewende ist.
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von Ludwig. - Lesezeit: 6 Minuten
Stell dir vor, du bist ein richtiger Leistungsträger. Dank dir läuft der Laden und du bist unverzichtbar. Trotzdem wirst du ständig in Frage gestellt, ins falsche Licht gerückt und beleidigt. So ungefähr geht es der Windkraft. Während die einen um ihre große Bedeutung für eine nachhaltige und günstige Stromerzeugung wissen, wollen ihr ein paar Leute an den Kragen. In Deutschland gab es zum Jahresende 2024 knapp 29.000 Windkraftanlagen an Land. Der Anteil der Windkraft am Strommix ist mit rund einem Drittel wichtig und groß.
Windkraft: zentraler Baustein der Energiewende.
Was wäre die Energiewende in Deutschland ohne die Windkraft? Richtig, maximal ein laues Lüftchen. Denn die Windenergie ist für rund ein Drittel der gesamten deutschen Stromerzeugung verantwortlich. Auch wenn du vermutlich immer wieder mal in den Medien liest, dass der Ausbau der Windkraft schleppend vorangeht, ist sie doch von zentraler Bedeutung. Und 2024 war zum Glück auch ein lange benötigtes Rekordjahr bei Genehmigungen für Windkraftprojekte.
Es gibt aber auch viel Gegenwind für die Windkraft. Dass Windenergie nur eine Übergangstechnologie sei, behauptete CDU-Chef Friedrich Merz zum Beispiel im Wahlkampf vor der Wahl 2025: "Wenn wir alles richtig machen, können wir die Windräder irgendwann wieder abbauen - sie sind hässlich und passen nicht in die Landschaft."
Aus Sicht von Fachleuten ist das eine zweifelhafte Aussage. "Windkraft gehört zu den zentralen Säulen vieler Energiestrategien weltweit, um CO2-Emissionen zu senken. Sie wird in fast allen Zukunftsszenarien nicht als 'Brückentechnologie' gesehen, sondern als dauerhafter Bestandteil einer erneuerbaren Stromerzeugung", sagt etwa Max Kleinebrahm vom Lehrstuhl für Energiewirtschaft des Karlsruher Instituts für Technologie. Das zeigt auch die Grafik des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zur Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien gut.
33 % unseres Stroms kamen 2024 aus der Windkraft.
Schauen wir uns also genauer an, warum die Windenergie so entscheidend für sauberen günstigen Strom ist und welche Rolle sie im deutschen Strommix spielt. Im gesamten Jahr 2024 hat die Windkraft zu Land (onshore) und am Meer (offshore) rund 33 % zur Nettostromerzeugung beigetragen. In einigen windreichen Wintermonaten (z.B. Februar 2020, November und Dezember 2023) lag der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung sogar schon bei deutlich über 40 Prozent, wie der Energiemonitor von Zeit Online zeigt.
Und: Windenergie an Land ist mit etwa 5 bis 10 Cent/kWh Herstellungskosten zudem die günstigste Form von Strom aus erneuerbarer Energien. Auch eine aktuelle Studie der Deutsche Windguard aus Dezember 2024 hat gezeigt, dass die mittleren Kosten für die Produktion einer Kilowattstunde Windstrom an einem durchschnittlichen Windenergiestandort zwischen 7,6 und 8,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Windenergie ist somit nicht nur die zentrale Säule der (erneuerbaren) Stromversorgung in Deutschland, sondern produziert auch sehr günstigen Strom. Erst recht im Vergleich zu Atom- und Kohlestrom.
Studien belegen: Windenergie an Land ist kostengünstigste Art der Stromerzeugung.
Am besten drücken das die sogenannten Stromgestehungskosten aus. Das sind die Kosten, die wirklich für die Stromerzeugung durch einen Energieträger wie Kohle, Gas oder Solarkraft anfallen. Bei der Berechnung der Stromgestehungskosten werden die Kosten berücksichtigt, die mit dem Bau und Betrieb einer Energieanlage über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verbunden sind, einschließlich Kapital-, Brennstoff- und Wartungskosten. Die folgende Grafik zeigt dir, dass Windenergie an Land (neben Photovoltaik) mit Abstand die günstigste Art der Stromerzeugung ist.
Wie sich der Windenergie-Ausbau in Deutschland entwickelt.
Deutschland könnte weiter sein beim Windenergie-Ausbau. Trotzdem gehören wir weltweit zu den führenden Windkraft-Nationen, was die installierte Leistung von Windkraftanlagen angeht. Nur Länder wie die USA und China stehen bei der installierten Leistung noch vor Deutschland. Ein starker dritter Platz also. Zum Ende des Jahres 2024 gab es in Deutschland laut Bundesverband Windenergie (BWE) 28.766 Windkraftanlagen.
Dennoch gibt’s beim Ausbau Probleme. Extrem lange Genehmigungsverfahren und viel Bürokratie haben die Windenergie lange Zeit ausgebremst. Seitdem es 2024 unter der Ampel-Regierung eine Gesetzesänderung gab, sollen sich die Zeiträume für Verfahren immerhin verkürzt haben. Künftig sollen Genehmigungen für Windräder schneller gehen. Gut so.
Fakten zum Windenergie-Ausbau an Land 2024:
- Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 635 Windenergieanlagen an Land mit einer elektrischen Gesamtleistung von 3.251 MW in Betrieb genommen.
- Mehr als ein Drittel (37 %) der neu installierten Leistung wurden im Rahmen von Repowering realisiert.
- Rekord bei Genehmigungen: Insgesamt wurden 2024 in Deutschland 2.405 Windenergieanlagen an Land mit einer Leistung von 14.000 MW neu genehmigt. Das war eine beispiellose Entwicklung, so der Bundesverband Windenergie (BWE).
- Starke regionale Zubau-Unterschiede: NRW hat 2024 154 Anlagen ans Netz gebracht, Niedersachsen 127, Schleswig-Holstein 113. In Bayern wurden lediglich acht Windenergieanlagen in Betrieb genommen, in Thüringen 6, in Sachsen waren es fünf und im Saarland zwei Neuanlagen.
Quelle: Marktstammdatenregister/Fachagentur Wind und Solar, Bericht zum Status des Windenergieausbaus an Land
Tabelle: Inbetriebnahme neuer Windkraftanlagen im Jahr 2024.
Windkraftanlagen | Leistung (MW) | Anteil am Gesamtzubau (MW) | Änderung ggü. 2023 | |
---|---|---|---|---|
Baden-Württemberg | 24 | 110,8 | 3,4 % | +89 % |
Bayern | 8 | 45,7 | 1,4 % | +79% |
Bradenburg | 69 | 360,1 | 11,1 % | -16% |
Hessen | 22 | 118,7 | 3,7 % | -26% |
Meck-Pomm | 16 | 89,3 | 2,7 % | -51% |
Niedersachsen | 127 | 673,2 | 20,7 % | +5% |
Nordrhein-Westfalen | 154 | 748,3 | 23,0 % | +41% |
Rheinland-Pfalz | 41 | 200,3 | 6,2 % | +44 % |
Saarland | 2 | 9,8 | 0,3 % | -63 % |
Sachsen | 5 | 23,9 | 0,7 % | -48 % |
Sachsen-Anhalt | 48 | 261,9 | 8,1 % | +200 % |
Schleswig-Holstein | 113 | 574,1 | 17,7 % | -53 % |
Thüringen | 6 | 34,9 | 1,1 % | +8 % |
Deutschland | 635 | 3.250,8 | 100% | -9% |
Hinweis: Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen fehlen, da es dort keinen Zubau gab. Daten: Marktstammdatenregister
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Mythen: Windräder sind laut, niemand will Windkraft - oder doch?
Gähn. Das fällt uns ein, wenn wir Aussagen hören wie: Windkraft zerstört die Landschaft und ist total unbeliebt. Rauchende Atommeiler und Kohlekraftwerke sind natürlich ein Gewinn für das Landschaftsbild. Naja, Ironie off, zurück zur Sachlichkeit. Gehen wir die Mythen durch.
Mythos: Keiner will Windkraft. Aber: Umfrage zeigt hohe Akzeptanz.
Es gab Zeiten, da war die Ablehnung groß gegen Windenergieanlagen. Doch die Energiekrise und der Krieg gegen die Ukraine haben offenkundig zu einem Umdenken geführt. Es könnte ja doch sein, dass es vielleicht ganz gut ist, wenn wir heimische und kostenlose Ressourcen wie Wind nutzen und so fast unabhängig von anderen Staaten Strom erzeugen können.
Diese These lässt sich auch mit Zahlen einer Forsa-Umfrage belegen. 78 % der Befragten sahen den Ausbau der Windenergie als wichtigen Bestandteil der Energiewende – unabhängig davon, ob sie in städtischen oder ländlichen Gebieten leben. Noch wichtiger: Auch für Anlagen im direkten Wohnumfeld gibt es breite Zustimmung - 79 % sind demnach mit den Anlagen einverstanden. Über zwei Drittel der Befragten (67 %) haben keine oder nur geringe Bedenken gegenüber Windkraftanlagen, wenn diese im eigenen Wohnumfeld gebaut werden sollten. Das sind die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage aus dem November 2024.
Mythos: Windräder zerstören die Landschaft. Aber: Flächenverbrauch minimal.
Wo ein Windpark entsteht, müssen manchmal auch Bäume und Wälder gerodet werden. Es geht aber auch ohne, etwa auf den flachen Wiesen an der Nordsee und in Norddeutschland. Trotzdem ist der Eingriff in die Natur gering, und zwar viel geringer als bei großen Kraftwerken. Windkraft ist besonders flächeneffizient. Die Bodenversiegelung durch die Anlagen ist minimal und nach 20 bis 30 Jahren können sie ohne bleibende Schäden und Strahlen- oder Giftmüllprobleme wieder abgebaut werden. Für Windenergieanlagen sind minimale Flächenbedarfe in Deutschland vorgesehen: Bis 2027 sollen etwa 1,4 % der Bundesfläche für die Windenergie an Land ausgewiesen werden, bis 2032 ein Anteil von 2 %, heißt es in einem Bericht des Umweltbundesamts. Die Flächennutzung durch Windkraft ist somit marginal.
Mythos: Windräder machen Lärm. Aber: Es gibt Abstandsregeln.
Oft heißt es, Windräder sorgen für viel Lärmbelästigung. Mit Blick auf die Gesundheit von Menschen gibt es nach aktueller Studienlage keinen signifikanten Einfluss durch den Lärm von Windkraftanlagen, sagt ein Experte gegenüber der Tagesschau. Es gibt jedoch vereinzelte Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen lärmbedingter Belästigung und indirekten Effekten wie Schlafstörungen oder erhöhtem Stress. Windräder machen Lärm, keine Frage. Tatsächlich nimmt die Lärmbelästigung aber rapide ab mit der Entfernung. In 500 Meter Entfernung verursachen Windräder nur noch 40 Dezibel. Das ist die Lautstärke eines leichten Regens oder eines rauschenden Waldes. Die Bundesländer dürfen Abstandsregelungen zu Naturschutzgebieten und Siedlungen selbst festlegen, meist gelten Mindest-Abstandsregeln und Vorgaben von mindestens 700 Metern zwischen Wohnflächen und Windrädern.
Mythos: Durch Windräder sterben viele Vögel. Aber: es gibt tödlichere Gefahren.
Gesicherte Zahlen, wie viele Tiere mit Windrädern kollidieren und dabei umkommen, gibt es für Deutschland nicht. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzt aber, dass jährlich rund 100.000 Vögel dadurch sterben. Man müsse von über 100.000 von Windkraftanlagen pro Jahr getöteten Vögeln ausgehen, darunter etwa 12.000 Mäusebussarde und 1500 Rotmilane. In absoluten Zahlen gesehen sind das Wenige im Vergleich zu den Millionen Vögeln, die Katzen, Glasscheiben oder dem Verkehr zum Opfer fallen. Laut Schätzungen des NABU kommen zum Beispiel jedes Jahr rund 70 Millionen Vögel durch Kollisionen im Straßen- und Bahnverkehr ums Leben. Und auch der Einfluss von Hauskatzen auf das Vogelsterben ist weitaus größer mit geschätzten 20 bis 100 Millionen Todesopfern im Jahr.
Wie Bürger:innen an der Windkraft verdienen können.
Es ist ja angeklungen, dass die Windenergie in der Gesellschaft hohe Akzeptanz genießt. Wenn also ein paar Politiker:innen von den „Windmühlen der Schande“ sprechen, hat das wenig mit dem Image der Windenergie bei den Menschen und der Realität zu tun. Bürger:innen, in deren direktem Wohnumfeld eine Windkraftanlage steht, befürworteten in einer Forsa-Studie zu knapp 80 % die Anlagen. Eine beeindruckende Mehrheit.
Eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit wurde von einer großen Mehrheit als wichtig angesehen (83 %), um die Akzeptanz für den Ausbau vor Ort zu verbessern. Ein interessantes Ergebnis ist auch, dass doppelt so viele Menschen vor Ort bereit sind, für die Windenergie zu demonstrieren als dagegen.
Und noch einen Vorteil bietet die Windkraft im Gegensatz zu großen Kraftwerken. Immer häufiger sind Windkraftanlagen in Bürgerhand in Form von Energiegenossenschaften etwa. Das heißt, dass die Privatpersonen oder auch Gemeinden von den Einnahmen der Windräder profitieren. Die Wertschöpfung bleibt somit auch in der jeweiligen Kommune, in der die Windkraftanlage errichtet wurde. Eine gemeinwohl-orientierte und dezentrale Energiewende eben, von der die Bürger vor Ort statt Großkonzerne profitieren, und wie sie auch Polarstern mit Mieterstrom macht. Inzwischen gibt es laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mehr als 1000 Energiegenossenschaften, viele davon betreiben Windkraftanlagen.
Polarsterns Energiewende mit Wind, Sonne & Wasser.
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